Bewerben 2.0: digitale Visitenkarte statt Hochglanz-Mappe

Wer heute noch Papierbewerbungen losschickt, muss sich nicht wundern, wenn es mit dem Jobwechsel nicht klappt. Denn das Internet ändert das Arbeitsleben und so auch die Recruitingprozesse in Unternehmen im Galoppschritt. Bewerbungsmappen per Post entsprechen in der Vielzahl der Fälle nicht mehr den Wünschen der Personaler. Sie erhalten Bewerbungsunterlagen am liebsten digital – in ihr E-Mail-Postfach oder per Online-Formular auf der firmeneigenen Karriereseite.

Und selbst das ist fast schon wieder überholt. Bewerben 2.0 ist angesagt. Das heißt: Die digitale Visitenkarte ist heutzutage wichtiger als Anschreiben und Lebenslauf. Jobsuchende sind gefordert, das eigene Netzwerk aktiv auszubauen, die Social Media für die Jobsuche zu nutzen und sich dort zu präsentieren.

„Zeig, wer Du bist“ lautet das neue Motto für Jobsuchende

Die Generationen Y und Z machen es vor. Sie sind mit den sozialen Medien aufgewachsen. Und so nutzen viele der heutigen Absolventen und Berufseinsteiger Facebook, Youtube, Instragram und Co. heute so selbstverständlich wie die Ü-40-Jährigen das Telefon, Brief oder Fernsehen. Und sie machen dies nicht nur passiv. Präsenz zeigen im Web 2.0, die Darstellung der eigenen Person im Netz mit Videos, Bildern und Texten ist für die meisten von ihnen Usus, Selbstvermarktung im Internet etwas Vertrautes. „Zeig, wer Du bist!“ lautet das Motto für die jungen Jobsuchenden von heute und morgen.

Nutzung der Social Media fürs Recruiting von Mitarbeitern – keine Frage mehr des „ob?“, sondern des „wie?“

Die Arbeitgeber haben dies natürlich längst erkannt. Viele von ihnen haben die Social Media bereits fest in ihrer Arbeitgeberkommunikation verankert. Und gerade die technologiegetriebenen Unternehmen nutzen die Social Media auch schon für das Recruiting. Andere ziehen nach. Sie müssen es auch, wenn sie im Kampf um Talente im Wettbewerb bestehen wollen. Insgesamt wird in den Unternehmen in Zukunft daher wohl nicht mehr die Frage lauten, ob Social Media genutzt werden soll. Die Frage heißt für sie vielmehr: Welche Kommunikationskanäle für welchen Zweck?

Der Trend von Bewerbervideos wird sich verstärken

Fest steht: Um sich als Arbeitgeber attraktiv zu präsentieren, entdecken immer mehr Unternehmen die Kraft von Bildern und Videos. In Unternehmensvideos können sie so Jobsuchenden einen Einblick in Sachen Unternehmenswerte und -kultur sowie Arbeitsklima geben, was über Online-Stellenanzeigen kaum möglich ist. Und in Jobvideos können sie ihre Mitarbeiter über sich als Arbeitgeber sprechen lassen, um so wiederum die Mitarbeiter in spe zu überzeugen.

Umgekehrt setzen vereinzelt auch Bewerber schon Videos ein. Ein Trend, der sich sicherlich weiterhin verstärkt fortsetzen wird. Denn jenseits von förmlichen Motivationsanschreiben wird es immer wichtiger, sich authentisch zu präsentieren.

Online-Recruiting-Interviews als Vorab-Check für den persönlichen Fit im Kommen

Sowohl auf Unternehmens-, als auch auf Bewerberseite gilt also: Es zählen zunehmend der persönliche Eindruck und der persönliche Fit. Bislang war der Check nur über persönliche Bewerbergespräche vor Ort möglich. Durch die Verwendung von Videos und Bildern besteht nun die Chance, schon vorher einen persönlichen Eindruck voneinander zu gewinnen.

Noch besser gelingt dies durch Video-Treffen im Netz. Sprich: mittels Online-Recruiting-Interviews. In den USA längst gang und gäbe, gibt es auch hierzulande immer mehr Unternehmen, die Bewerber per Video, etwa mit Skype, interviewen. Das Versandunternehmen Otto beispielsweise handhabt Vorstellungsgespräche bereits auf diese Weise. Das Unternehmen spart damit Zeit und Geld, – ebenso wie Bewerber diesen Vorteil durch ein Online-Interview genießen.

Klassische Jobbörsen haben bald ausgedient

Logische Konsequenz dieser Entwicklungen und Trends: Nicht nur die Hochglanz-Bewerbungsmappe, auch die Tage der klassischen Jobbörsen werden gezählt sein. Denn statt der Jobsuche über Online-Stellenanzeigen kommt es sowohl für die Unternehmen als auch für die Bewerber immer mehr auf Eigenmarketing-Möglichkeiten an – am besten gepaart mit der Option, dass beide direkt Kontakt aufnehmen und ein erstes persönliches Gespräch per Videokonferenz führen können.

Dieser Artikel ist auch hier erschienen: http://www.huffingtonpost.de/tjalf-nienaber/bewerben-20-digitale-visitenkarte_b_7896106.html

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